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stadtgeschichtsmuseum schwerin 

offener hochbaulicher realisierungswettbewerb 2025

engere wahl

Mitten in der Altstadt Schwerins gelegen, soll ein bestehendes Gebäudeensemble, das ab der Mitte des 18. Jahrhunderts entstand, durch einen Neubau ergänzt werden, der gemeinsam mit den Bestandsgebäuden, das neue Stadtmuseum, eine Welterbeinformationsstätte und Büronutzungen beherbergen soll.

Die Altstadt ist geprägt durch Plätze unterschiedlicher Größe, eingewoben in ein dichtes Netz von

Straßenräumen, Gassen und Durchgängen. Die Grundidee des Entwurfes ist es, die

Stadtstruktur fortzuschreiben. Der durch Schließen des Blockrandes entstehende, überdachte Hof wird als

Teil der Sequenz vorhandener Plätze und Übergang von öffentlichem Stadtraum zu Gebäude gesehen.

Durch das Weiterbauen der Dachlandschaft und die Bezugnahme auf bestehende Dachgeometrien, und -

höhen, ergänzt der Neubau die vorhandenen Gebäudeteile zu einem schlüssigen Gesamtensemble, das

sich trotz selbstbewusster Adresse zurückhaltend in die kleinmaßstäbliche Bebauung einfügt.

Auf Traufhöhe schließt er an den südlichen Seitenflügel an und zitiert mit einem Rundbogendurchgang ein mittelalterliches Motiv, das den Weg vom Schlachtermarkt auf den zentralen Platz des Welterbeinformationszentrums leitet. Im Erdgeschoss befinden sich öffentliche Bereiche, im Obergeschoss führt ein Rundgang durch Alt- und Neubau. Die kleinteiligen Räume des ehemaligen Wohnhauses präsentieren Themen wie Alltagskultur, bürgerliches Leben und historische Wohnwelten. Die Fassade aus hell geschlämmtem Ziegelmauerwerk verbindet die in Schwerin verankerte Klinkertradition mit der sandfarbenen Quaderputzgestaltung der benachbarten Bauten des 19. Jahrhunderts.

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Der vollständige Einbezug des Bestands ist für uns Ausdruck eines ernst gemeinten Verständnisses von Nachhaltigkeit. Es wäre ein Widerspruch, einerseits Suffizienz zu propagieren, andererseits aber nutzbare Bestandsflächen brachliegen zu lassen und gleichzeitig neu zu bauen. Indem wir den Altbau für Ausstellung und Verwaltung gleichermaßen aktivieren, vermeiden wir Flächenverschwendung, verringern den Neubauanteil und reduzieren den ökologischen Fußabdruck des Projekts.

Unser Entwurf versteht sich als architektonischer Kommentar zur Frage, wie wir mit dem bauen, was da ist. Die Transformation des Stadtmuseums Schwerin wird nicht als Ersatz, sondern als Weiterentwicklung gedacht. Der Neubau reagiert mit klarer Zurückhaltung auf die historische Substanz, schafft neue räumliche Qualitäten und übernimmt die Rolle des Vermittlers. Der Entwurf zeigt, dass Alt und Neu keine Gegensätze sind, sondern in funktionaler und gestalterischer Symbiose ein kraftvolles, zukunftsfähiges Ensemble bilden.

 

Der Zugang zu Stadtmuseum und Welterbezentrum erfolgt über den zentralen Innenhof, wo das Stadtmodell Schwerins die Besucher empfängt. Links liegt das Welterbeinformationszentrum mit direktem Bezug zum historischen Bestand, rechts führen Infotresen, Kasse, Museumsshop und Café ins Stadtmuseum. Foyer, Innenhof und flexible Flächen im südlichen Bestandsflügel schaffen multifunktionale Verbindungen und ermöglichen Veranstaltungen. Im Rundgang werden im Altbau die Themen „Schweriner Anfänge“, „Herrschaft“ und „Fest“ präsentiert; die kleinteiligen Wohnräume bieten ideale Bedingungen für Vitrinen und Exponate, während historische Elemente wie die originale Treppe Teil der Ausstellung werden. 

 

Geplant ist ein hölzernes Tragwerk mit Wänden in Skelettbauweise und Decken aus Hohlkästen. Die vorgefertigten Hohlkörper  sorgen für kurze Bauzeiten und sind im Sinne sortenreinen Bauens mit einer ungebundenen Splittschüttung (Wiederverwendung von Abbruchmaterial) gefüllt, um hohe thermische Masse und gute Schallschutzeingenschaften zu erreichen. Für die tragenden Außenwände wird eine monolithische, d.h. ohne separate Dämmschicht oder die Notwendigkeit von geklebten Folien gedachte Mauerwerkskonstruktion vorgeschlagen. Klinker, besonders in Kombination mit Holzfachwerken, prägen historisch das Stadtbild Schwerins und verankern das Stadtgeschichtsmuseum selbstverständlich im gewachsenen Kontext. Der abgewandelte Blockverband greift die Holzkonstruktion auf und facht sie – analog historischer Fachwerke – aus. Im monolithischen Verbund mit der Klinkerwand ergänzen 30 cm starke Hanfziegel die Fassaden, die durch ihre Masse wirksam dämmen, COâ‚‚ speichern, feuchteregulierend wirken und den Brandschutz des eingeschlossenen Holztragwerks sichern. Raumseitig schließt eine diffusionsoffene Lehmputzschicht den Aufbau ab, punktuell erneuerbar und nutzbar. Die vorgeschlagene Konstruktion versteht sich als Weiterentwicklung historischer Fachwerklösungen, angepasst an heutige Anforderungen. Ziel ist ein schnell und einfach errichtbarer Neubau, der robust, langlebig und aus natürlichen Materialien besteht und weitgehend ohne technische Hilfsmittel ein angenehmes Raumklima schafft. Die Konstruktion verzichtet auf Erdölprodukte und Klebeschichten und lässt sich vollständig zerlegen, wiederverwenden oder umweltneutral entsorgen.

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Eine innenliegende Dämmschicht verbessert den thermischen Widerstand der Gebäudehülle. Ergänzt wird sie durch eine Wärmeschutzverglasung, die die thermische Behaglichkeit steigert. In Lehmputz integrierte Kapillarrohrmatten ermöglichen eine angenehme und energieeffiziente Raumbeheizung durch milde Strahlungswärme. Zusätzlich ist eine in den Boden integrierte Strahlungsheizung vorgesehen. Hierbei wirkt der Lehmputz wirkt als natürlicher Feuchtespeicher und trägt zur Stabilisierung der relativen Luftfeuchtigkeit im Innenraum bei. Passiv konditionierte Bereiche im Lichthof bilden ein Pufferklima (12–30 °C) mit Grundbehaglichkeit für längeres Verweilen im halböffentlichen Raum. Thermische Pufferzonen erweitern das Komfortband (18–28 °C) mit Tageslicht, natürlicher Lüftung, thermischer Masse und gezielter Verschattung. Vorkonditionierte Bereiche erfüllen die strengsten konservatorischen Anforderungen an Exponate, wobei saisonale Temperaturschwankungen (20–25 °C, 40–60 % r. Feuchte) zulässig sind.Durch diese fließend ineinandergreifenden Klimazonen wird der Bezug zum Außenklima gestärkt, das subjektive Wohlbefinden gesteigert und der Energieverbrauch gesenkt.

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Ein zwischen Bestands- und neuen Fenstern integrierter Sonnenschutz sorgt für eine ausgewogene Balance aus Tageslichtnutzung und Schutz vor sommerlicher Überhitzung. Eine innenliegende Dämmschicht verbessert den thermischen Widerstand der Gebäudehülle. Ergänzt wird sie durch eine Wärmeschutzverglasung, die die thermische Behaglichkeit steigert. Kapillarrohrmatten im Lehmputz und eine zusätzliche Strahlungsheizung im Boden ermöglichen eine energieeffiziente, milde Beheizung. Der Lehmputz fungiert dabei als natürlicher Feuchtespeicher und stabilisiert die relative Luftfeuchtigkeit im Innenraum. Der Entwurf schafft einen heterogenen, klimatischen Erfahrungsraum: Außenbereiche sind exponiert (-5 bis 35 °C), geschützte Zonen bieten Schutz vor Witterung und Hitze (0–30 °C). Passiv konditionierte Bereiche im Lichthof dienen als Pufferklima (12–30 °C) für längeres Verweilen. Thermische Pufferzonen erweitern das Komfortband (18–28 °C) mit Tageslicht, natürlicher Lüftung, thermischer Masse und gezielter Verschattung. Vorkonditionierte Bereiche erfüllen konservatorische Anforderungen an Exponate (20–25 °C, 40–60 % r. Feuchte), wobei saisonale Schwankungen erlaubt sind. Die fließend ineinandergreifenden Klimazonen stärken den Bezug zum Außenklima, erhöhen die thermische Akzeptanz und das subjektive Wohlbefinden und senken den Energieverbrauch. Für Übergangszeiten ist eine natürliche Lüftung aller Räume möglich, unterstützt durch eine mechanische Lüftung, bei der das zentrale Atrium als „Lunge“ vorgewärmte Frischluft verteilt. 

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